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  • WIE KRIMINELL SIND DIE HELLS ANGELS WIRKLICH?

    WIE KRIMINELL SIND DIE HELLS ANGELS WIRKLICH?


    WIE KRIMINELL SIND DIE HELLS ANGELS WIRKLICH?

    Die Rockerszene in Sachsen – sie ist bunt und vielfältig, aber auch verschlossen und voller Rätsel. In unserer neuen Serie wollen wir einen Einblick in eine faszinierende, teilweise auch verstörende Subkultur geben – unverstellt, ungeschönt und jenseits üblicher Klischees. Rockerclubs haben uns ihre Türen geöffnet, Polizisten ihre Akten, ein Philosoph seine Gedankenwelt.

    INTERVIEW MIT ZWEI ERMITTLERN

    Beobachten Sachsens Rockerszene seit Jahren: Martin Keetman (48, l.) und Daniel Kießling (42) vom Kommissariat für Bandenkriminalität.

    Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

    Rocker und Kriminalität – dieses Thema füllt mittlerweile ganze Bücherschränke. Der Ruf der Szene hat in den letzten Jahren arg gelitten. Nicht zuletzt wegen der blutigen Auseinandersetzungen zwischen großen Motorradclubs. 

    Wie ist die Situation in Sachsen, was haben die harten Jungs wirklich auf dem Kerbholz, was ist Legende?

    MOPO24 bat zwei Experten zum Gespräch:Martin Keetman (48), Chef des Leipziger Kommissariats für Bandenkriminalität und Daniel Kießling (42), Chefermittler für Rockerkriminalität, berichten erstmals öffentlich über ihre Arbeit.

    MOPO24: Wie viele Motorradclubs gibt‘s denn aktuell in Sachsens Rockerhauptstadt Leipzig und Umgebung?

    Kießling: Wir haben in unserem Bereich aktuell 17 Motorrad-Clubs, die immer wieder auftauchen.

    MOPO24: Und auf die haben Sie alle ein Auge?

    Kießling: Nein, wir wollen ja keine flächendeckende Überwachung.

    MOPO24: Wann beginnt das Kommissariat für Bandenkriminalität, sich für einen Club zu „interessieren“?

    Keetman: Wenn er sich auf die Fahne geschrieben hat, sich selbst außerhalb des Gesetzes zu stellen. Also die so genannten OMCG (Outlaw Motorcycle Gangs – die Redaktion).

    MOPO24: Anhand welcher Informationen beurteilen Sie, ob es sich bei einem Club um einen OMCG handeln könnte?

    Keetman: Am Internetauftritt – wo sie sagen, wir regeln alles selbst und haben unsere eigenen Gesetze. Das ist für mich eine Art Selbstjustiz, die ich nicht gewillt bin, hinzunehmen.

    MOPO24: Wie viele OMCGs gibt’s denn unter den 17 hiesigen Clubs?

    Kießling: Zwei. Die Hells Angels und ihr Supporter-Club Red Devils.

    MOPO24: Und wie viele Rocker rechnet die Polizei diesen OMCGs zu?

    Kießling: Beide Clubs haben nach unseren Erkenntnissen zusammen etwa 40 Mitglieder – und eine Großzahl an Unterstützern.

    MOPO24: Wo kommen die her?

    Kießling: Das sind einige Motorrad-Clubs, die unsere OMCGs bei deren Veranstaltungen immer wieder anlaufen und huldigen – die zählen wir zu den Unterstützern.

    MOPO24: Gibt es für die Polizei im Umgang mit Rockerclubs politische Vorgaben?

    Keetman: Die gibt‘s. Beispielsweise das Kuttenverbot, das vom Innenministerium erlassen wurde.

    Bei Treffen der Hells Angels ist die Polizei immer mit Großaufgebot dabei.

    MOPO24: Welche Colours dürfen aktuell in Sachsen nicht öffentlich getragen werden?

    Kiesling: Das Kuttenverbot gilt in Sachsen für all die Clubs, die deutschlandweit mal irgendein Chapter oder Charter verboten bekommen haben, beispielsweise Hells Angels, Red Devils, Gremium, Bandidos, Chicanos, Outlaws und Mongols.

    MOPO24: Wenn Hamburger sich daneben benehmen, gleich auch Leipzigern und Stuttgartern die Kutten zu verbieten – ist das nicht „Sippenhaft“ und ein Eingriff in die Subkultur?

    Keetman: Uns ist durchaus bekannt, dass dieser Erlass rechtlich umstritten ist. Aber das müssen jetzt Gerichte entscheiden. So lange die Erlass-Lage existiert, gibt es keinen Spielraum, setzten wir sie um.

    MOPO24: Rocker haben einen ziemlich „kriminellen“ Ruf. Wie kriminell sind sie wirklich?

    Keetman: Zwei Drittel von denen, die in unseren OMCGs drin sind, haben schon mal mit Polizei und Justiz zu tun gehabt, einige auch mehrfach.

    MOPO24: Was heißt das konkret?

    Kiesling: Es wurden Ermittlungsverfahren gegen diese Leute geführt.

    MOPO24: Wie viele davon mündeten in einer Anklage, wie viele führten zu einer rechtskräftigen Verurteilung?

    Keetman: Das können wir nicht sagen. Wenn wir die Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgeben, ist unsere Arbeit beendet. Da haben wir auch keinen Überblick mehr, was zu einer Verurteilung, was zu einem Freispruch führte.

    Das Leipziger Clubhaus ist abgesperrt – jeder, der zur Angels-Party will, wird kontrolliert.

    MOPO24: Um welche Straftaten geht es in Ihren Rocker-Verfahren hauptsächlich?

    Keetmann: Das geht quer durchs Gemüsebeet – Körperverletzungsdelikte, Verstöße gegen das Waffengesetz – wobei hierzu auch die Messer zählen, die wir bei Kontrollen einziehen – Betäubungsmitteldelikte.

    MOPO24: Sind die hiesigen Clubs im Drogenhandel aktiv?

    Keetman: Dazu haben wir keine Erkenntnisse. Es gibt aber Einzelpersonen mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz – das sind aber in der Regel Konsumentenverstöße.

    MOPO24: Spielen die Rocker im Leipziger Rotlichtmilieu eine Rolle?

    Keetman: Ja, die Hells Angels. Aber Rotlicht ist ja keine Kriminalität. Da die Objekte, die von den Hells Angels betrieben werden, genau so überwacht werden, wie alle anderen Leipziger Rotlicht-Objekte, hält sich die Kriminalität dort in Grenzen.

    MOPO24: Nach dem Verbot von Gremium Sachsen und dem Rückzug der Bandidos ist der Hells Angels MC aktuell der Platzhirsch im Freistaat. Gibt es Erkenntnisse, dass andere Großclubs demnächst nach Sachsen drängen könnten?

    Kießling: Ich denke, dass es da schon Überlegungen gibt. Wir haben in Leipzig ganz aktuell ein neues Colour am Start – die White Lions.

    Tauchten im Februar das erste Mal öffentlich auf: die White Lions – eine größtenteil aus Migranten bestehende Streetgang.

    MOPO24: …eine überwiegend aus Migranten bestehende Streetgang …

    Kießling: Richtig. Bisher ist das kein Motorradclub. Wenn man sich aber die Gestaltung ihrer Kutte mit dem dreiteiligen Colour anschaut, dann eins und eins zusammenrechnet – dann ist nicht auszuschließen, dass hier ein Großer bald an die Tür klopft.

    MOPO24: In der Politik werden Rockerclubs oft als kriminelle Banden bezeichnet: Ganz konkret gefragt – sind die Hells Angels in Leipzig oder ist irgendein anderer MC hier aus polizeilicher Sicht eine kriminelle Vereinigung?

    Keetman: Nein. Wenn dem so wäre, hätten wir längst ein Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung eingeleitet. Man muss klar trennen zwischen dem rechtlichen und dem populistischen Bandenbegriff. Nach Strafrecht ist eine Bande ein bisschen anspruchsvoller, als populistisch gesehen…

    „Nicht schuldig durch Mitgliedschaft“ – heißt es auf der Harley eines Hells Angels.
  • HELLS ANGELS MC: DIE ROT-WEISSE MACHT AUS LEIPZIG!

    HELLS ANGELS MC: DIE ROT-WEISSE MACHT AUS LEIPZIG!


    Rocker

    BENZIN, PARTY UND ROCK’N’ROLL

    Links das derzeit verbotene Colour, rechts das Ausweich-Logo der Leipziger Höllenengel.

    Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

    Leipzig – Wohl kein Motorradclub der Welt ist so geheimnisumwittert wie der Hells Angels MC. Er gilt als knallhart und verschlossen. Seit 2008 gibt es einen Ableger des weltweit existierenden Clubs in Leipzig. Ein Ortstermin im Clubhaus der „Höllenengel“ im Leipziger Rotlicht-Kiez Dessauer Straße.

    Eine typische Industrie-Brache. Backstein neben DDR-Mief, ein hohes Tor, fest verschlossen. Der „Hells Angels“-Schriftzug ist abgedeckt, nur das „Leipzig“ ist noch zu sehen – eine Anordnung des Innenministeriums, das sämtliche Symbole des Clubs verboten hat!

    Der „Deathhead“, der geflügelte Totenkopf, weltweites Symbol des Clubs, darf bundesweit nicht mehr öffentlich gezeigt werden.

    Das betrifft die Kutten der Mitglieder ebenso wie Airbrushs auf Motorradtanks oder Tattoos – alles muss abgedeckt werden, sobald die Rocker sich in der Öffentlichkeit bewegen.

    Leipzigs Hells-Angels-Präsident Matze (32) vor dem Clubhaus-Kamin im Stil eines riesigen Totenkopfes.

    Anders im ansehnlichen Clubhaus: Überall hängen Geschenke von Brüdern aus aller Welt mit dem „Deathhead“. Im Erdgeschoss eine Bar im Stil einer Grotte. In den Nischen stehen alte Motorräder. Ein Jahr lang haben die Leipziger Angels, die größtenteils in Handwerksberufen arbeiten, an dieser Oase gebastelt.

    Nach oben geht’s durch eine Gittertür in den Memberbereich: Hier haben ausschließlich Mitglieder Zutritt. Ein riesiger Kamin in der Form eines Totenkopfs zieht sofort die Blicke auf sich. Es folgen Bar, Gästezimmer und in der Ecke ein Gedenkschrein, in dem der verstorbenen Brüder gedacht wird.

    In der Mitte steht eine 20 Meter lange Tafel, um die sich knapp zwei Dutzend Stühle reihen. Auf jedem steht ein Name: Mathias81, Pascha81, Ronald81. Hier werden die Meetings abgehalten.

    Ausfahrt der Leipziger Höllenengel – fast jedes Wochenende sind sie unterwegs.

    Dabei gilt das absolute Demokratie-Gebot: „One man, one vote – bei uns hat jedes Mitglied eine Stimme!“, sagt Matze (32), Präsident des Leipziger Charters. Neumitglieder würden nur aufgenommen, wenn alle dafür stimmen. Wer dagegen ist, muss es begründen. Offenheit ist wichtig.

    Ehrlichkeit, Freiheit, Respekt und Zuverlässigkeit sind die Fundamente dieser Rocker-Bruderschaft. Die Leipziger Angels leben diese Werte „Oldschool“. Sie führen noch das richtige Rockerleben mit Benzin, Party und Rock’n’Roll.

    Auf ihren Harleys heizen sie durch ganz Europa – ob zum Worldrun am Balaton, zu den russischen Brüdern nach Moskau oder an die Mittelmeerküste.

    Seit August 2008 sind die Hells Angels in Leipzig. Zur letzten großen Club-Party gab’s ein riesiges Feuerwerk.

    Dreimal im Jahr laden sie selbst zu Partys. Regelmäßig pilgern dann hunderte Rocker, Biker und „Normalos“ ins Clubhaus.

    „Wir versuchen einfach das zu tun, um was es uns geht und für das zu stehen, was uns wichtig ist: Freunde treffen, Partys feiern, eine gute Zeit haben – wir versuchen einfach, unser Rockerleben zu leben. Nicht mehr und nicht weniger“, erklärt Matze.

    Das Leipziger Charter gründete sich am 22. August 2008. Starthilfe gaben, wie bei den Hells Angels üblich, etablierte Charter – in diesem Fall Reutlingen, Hannover und Cottbus. Die Gründung fand im Club P1 am Plagwitzer Knochenplatz statt.

    Bis Mai 2009 fuhren die Leipziger als Probe-Charter, dann bekamen sie bei einer feierlichen Zeremonie in Dresden ihr Full-Colour. Im Dezember 2009 eröffnete ihr Clubhaus. Auch Leipzigs OB Burkhard Jung (SPD) war dazu eingeladen – winkte aber dankend ab.

    Das Leipziger Clubhaus vor dem Colour-Verbot.

    Heute zählen die Leipziger Hells Angels selbst zu den etablierten Chartern und standen ihrerseits schon Pate für deutsche Neugründungen etwa in Thüringen, Bayern und Niedersachsen.

    In Sachsen stehen die Höllenengel unter ständiger polizeilicher Beobachtung. Ein Grund dafür war sicher auch ihr demonstratives Auftreten im September 2008 in der Leipziger City.

    Damals hatten über 100 Rocker aus mehreren Chartern kurzerhand die Kneipenmeile Gottschedtstraße „besetzt“, dabei grimmig in ein- und ausfahrende Autos geschaut. Die Nummer galt als klare Machtdemonstration – denn just an diesem Tag feierten die Bandidos im Westen der Stadt.

    Eine wilde Hatz über den Leipziger Ring inklusive spektakulärer Verfolgungsjagd trug ebenso dazu bei, dass es dem Club bis heute nicht gestattet wird, gemeinsame Ausfahrten durch Leipzig zu unternehmen.

    Die notwendigen Genehmigungen laut StVO bleiben den Höllenengeln versagt. Und bei ihren Partys findet sich regelmäßig ein Großaufgebot Polizei vorm Clubhaus.

  • DER BERÜHMTESTE HÖLLENENGEL DER WELT – von Jens Fuge

    DER BERÜHMTESTE HÖLLENENGEL DER WELT – von Jens Fuge


    Rocker

    DER BERÜHMTESTE HÖLLENENGEL DER WELT

    imageHells Angels-Legende Sunny Barger (76, l.) im Gespräch mit Morgenpost-Autor Jens Fuge.

    Von Jens Fuge

    Die Hells Angels: Größter und härtester Rockerclub der Welt. Ihre Ikone: Sonny Barger. Die Höllenengel verehren ihn wie einen Heiligen: Mitbegründer, Anführer, lebende Legende.

    Der heute 76-Jährige war lange Präsident des Charters im kalifornischen Oakland. Er saß zehn Jahre im Knast, schrieb unter anderem das Buch „Hells Angel: Mein Leben“ und gilt weltweit als die Ikone des Clubs. Jetzt stand ich, der MOPO24-Reporter, in seinem Wohnzimmer.

    Ich war mit einem Kontaktmann aus Tucson nach Phoenix gefahren, wo sich vor den Toren der Stadt das Anwesen der Bargers befindet.

    Es hatte lange gedauert, ehe über einige Kontakte die Zustimmung kam, den berühmtesten Hells Angel der Welt besuchen zu können.

    Nun kam er auf mich zu, streckte mir die Hand entgegen. Er trug ein ärmelloses T-Shirt, ich konnte das älteste Einprozenter-Tattoo der Welt erkennen, das seinen Oberarm ziert.

    Ich konnte nicht nur das Anwesen Bargers besichtigen, sondern auch lange Interviews mit ihm führen. Wir sprachen vor allem übers Altern und die Gesundheit, denn Barger hat nicht nur einen Herzinfarkt und schwere Unfälle, sondern auch zweimal den Krebs überwunden.

    imageSonny mit seinen Hunden vor seinem Haus in Arizona.

    Und noch heute fährt der berühmte Angel über 70 000 Kilometer auf seiner Victory – pro Jahr!

    Ständig ist Barger unterwegs, entweder mit seinem Charter „Cave Creek“ (Arizona) oder auf Werbetour für seinen Film „Dead in 5 Heartbeats“, der letztes Jahr auf die Leinwand kam. Seit nunmehr 58 Jahren ist er Clubmitglied – weltweit einzigartig!

    Eiserne Disziplin hilft Barger, so fit zu bleiben. Er steht jeden Morgen um fünf Uhr auf, versorgt die Pferde, mistet den Stall aus, reitet eine Runde.

    Zudem geht er täglich in sein eigenes Fitness-Studio, bevor er mit dem Motorrad ausfährt. Gegen 21 Uhr geht er ins Bett. Ausnahme: wenn der Club ruft. Dann setzt er sich auf sein Bike und fährt ins Clubhaus.

    Mit Blick auf die jüngere Generation sagt er: „Ich weiß nicht mehr, was 30-Jährige heute denken. Ich mache keine Politik mehr.“ Die beste Entscheidung seines Lebens sei gewesen, dass er in den 50er Jahren kein Beatnik geworden sei.

    imageDie Sonny-Verehrung der Hells Angels geht zuweilen bis unter die Haut.

    Damals hatte er die Schriftsteller Kerouac, Cassidy und Ginsberg kennen gelernt und ihre Schriften studiert, sich aber lieber dem Bikerleben zugewandt: „Nun bin ich über 57 Jahre später immer noch Biker, und die Beatniks gibt es schon längst nicht mehr.

    Seine über zehn Jahre im Knast sieht er heute mit Abstand. „Das war ein wichtiger und wertvoller Teil auf dem Weg zum Erwachsenwerden“, sagt Barger.

    Seinem Ansehen in den Vereinigten Staaten hat es nicht geschadet. Im Gegenteil: Autogramme und Fotos mit dem berühmten Hells Angel stehen auch beim „Normalbürger“ hoch im Kurs. Mittlerweile wird Sonny Barger als „Amerikanische Legende“ verehrt.

    imageSonny mit blonder Sozia auf seiner Victory auf dem Weg nach Phoenix.

    WAS SIND EINPROZENTER UND OUTLAW-BIKER?

    imageDas Einprozenter-Abzeichen an der Kutte eines Hells Angels.

    Wenn die Rede von besonders gefährlichen Rockern ist, fällt oft der Begriff „Einprozenter“. Das hat einen historischen Ursprung:

    Im kalifornischen Städtchen Hollister hatte 1947 eine Gruppe wilder Biker zu heftig gefeiert, und die amerikanische Presse hatte groß darüber berichtet.

    Die Vereinigung amerikanischer Motorradfahrer (AM) soll daraufhin versichert haben, dass nur ein Prozent der Biker zu Übertreibungen dieser Art neigen solle. Daraufhin reagierten die harten Jungs mit dem 1%-Aufnäher, dass sie seither voller Stolz trugen.

    Die reine Provokation, ein Bekenntnis zum Außenseiter-Dasein.

    Die Bedeutung heute ist leicht verändert: Wer dieses Zeichen offen trägt, zählt sich zum geringen Teil derer, die ihr gesamtes Leben den Werten der Rockerszene unterordnen.

    Er lebt in einer eigenen Welt mit eigenen Regeln. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Träger kriminell ist und die deutschen Gesetze nicht anerkennt.

    In der Szene gibt man sich gern hart und autonom. Letztlich ist es wie überall: es gibt solche und solche.

    Den Begriff OMCG, „Outlaw Motorcycle Gangs“, verwenden ausschließlich die Behörden. Die Clubs beteuern, sie seien keine „Gangs“.

    Der Begriff „Outlaw“ kommt ebenfalls aus den Nachkriegszeiten in den USA. Die vielen Rennen damals wurden von der AMA organisiert. Wer außerhalb dieses Reglements die Kräfte maß, fuhr ein „Outlaw-Rennen“.

    Nun wird der Begriff für Rocker allgemein verwendet, wobei die Bezeichnung nicht richtig ist: Nur die allerwenigsten sehen sich als „Outlaw“, der außerhalb der Gesetze steht.

    Er lebt in einer eigenen Welt mit eigenen Regeln. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Träger kriminell ist und die deutschen Gesetze nicht anerkennt.

    In der Szene gibt man sich gern hart und autonom. Letztlich ist es wie überall: es gibt solche und solche.

    Den Begriff OMCG, „Outlaw Motorcycle Gangs“, verwenden ausschließlich die Behörden. Die Clubs beteuern, sie seien keine „Gangs“.

    Der Begriff „Outlaw“ kommt ebenfalls aus den Nachkriegszeiten in den USA. Die vielen Rennen damals wurden von der AMA organisiert. Wer außerhalb dieses Reglements die Kräfte maß, fuhr ein „Outlaw-Rennen“.

    Nun wird der Begriff für Rocker allgemein verwendet, wobei die Bezeichnung nicht richtig ist: Nur die allerwenigsten sehen sich als „Outlaw“, der außerhalb der Gesetze steht.

    viaRocker-Serie – MOPO24.

  • DIE STASI ÜBERWACHTE SACHSENS ERSTE ROCKER

    DIE STASI ÜBERWACHTE SACHSENS ERSTE ROCKER


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    Die Rockerszene in Sachsen – sie ist bunt und vielfältig, aber auch verschlossen und voller Rätsel. In unserer neuen Serie wollen wir einen Einblick in eine faszinierende, teilweise auch verstörende Subkultur geben – unverstellt, ungeschönt und jenseits üblicher Klischees. Rockerclubs haben uns ihre Türen geöffnet, Polizisten ihre Akten, ein Philosoph seine Gedankenwelt.

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    DDR-ROCKER LEHNTEN SIMSON UND MZ AB!

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    Mit DDR-Schild am Bike – die Charon-Rocker und ihre AWO-Chopper vor 30 Jahren.

    Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

    Limbach-Oberfrohna – Zweiräder im Osten – das beschränkte sich Anfang der Achtziger auf Simson-Mopeds (S50) oder Gefährte aus Zschopau. MZ war Mainstream. Schon eine 350er Jawa hatte Exoten-Status.

    1978 hatten Motorradfreaks aus Limbach-Oberfrohna es satt, mit Zweitaktgesäge durch die Zone zu knattern. Sie wollten was Besonderes: einen Chopper mit Sound.

    So erlebte die viertaktende AWO Simson 250 aus den 50ern in der Ost-Bikerszene eine Renaissance. Schon nach einem Jahr hatte sich eine kleine Gemeinde auf ersten kleinen Treffen gefunden.

    Die AWOs kauften sie älteren Herrschaften ab, die ihre Zweirad-Karriere längst beendet hatten, die Maschinen fanden sich in Scheunen und Garagen.

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    Im Clubhaus der Charons ist alles selbstgebaut: Tresen, Sitzbänke und der originelle Tisch auf einer alten AWO.

    „Da war manches Schmuckstück dabei, das wir für 100 Mark bekamen“, erinnert sich Gründungsmitglied Mario (52), heute Präsident des Clubs. 1982 gründeten Bubi, Ulli, Mario und Golem den „AWO Motorrad Club Limbach“.

    Auf ihren ersten Treffen knüpften sie enge Kontakte zu anderen AWO-Clubs aus Jessen, Gera, Dresden, Berlin und Rostock.

    So wuchs eine Subkultur, für die der sozialistische Staat keinen besonderen Nerv entwickelte. Die Biker waren dem Überwachungsstaat ein Dorn im Auge, die Stasi observierte sie sogar.

    Zur 30-Jahr-Party wurde ein alter 8-mm-Film gezeigt, der von der Stasi gedreht wurde und die Jungs von Charon im damaligen Alltag zeigt.

    Wenn am 1. Mai die Arbeiterklasse zum „Tag der Arbeit“ zwangsjubelte, unternahm Charon Ausfahrten. Und zu Pfingsten rollte die Truppe in die CSSR, wo erste Kontakte zu West-Bikern entstanden.

    DIE STASI ÜBERWACHTE SACHSENS ERSTE ROCKER
    Die Rockerszene in Sachsen – sie ist bunt und vielfältig, aber auch verschlossen und voller Rätsel. In unserer neuen Serie wollen wir einen Einblick in eine faszinierende, teilweise auch verstörende Subkultur geben – unverstellt, ungeschönt und jenseits üblicher Klischees. Rockerclubs haben uns ihre Türen geöffnet, Polizisten ihre Akten, ein Philosoph seine Gedankenwelt.

    DDR-ROCKER LEHNTEN SIMSON UND MZ AB!

    Mit DDR-Schild am Bike – die Charon-Rocker und ihre AWO-Chopper vor 30 Jahren.
    Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

    Limbach-Oberfrohna – Zweiräder im Osten – das beschränkte sich Anfang der Achtziger auf Simson-Mopeds (S50) oder Gefährte aus Zschopau. MZ war Mainstream. Schon eine 350er Jawa hatte Exoten-Status.

    1978 hatten Motorradfreaks aus Limbach-Oberfrohna es satt, mit Zweitaktgesäge durch die Zone zu knattern. Sie wollten was Besonderes: einen Chopper mit Sound.

    So erlebte die viertaktende AWO Simson 250 aus den 50ern in der Ost-Bikerszene eine Renaissance. Schon nach einem Jahr hatte sich eine kleine Gemeinde auf ersten kleinen Treffen gefunden.

    Die AWOs kauften sie älteren Herrschaften ab, die ihre Zweirad-Karriere längst beendet hatten, die Maschinen fanden sich in Scheunen und Garagen.

    Im Clubhaus der Charons ist alles selbstgebaut: Tresen, Sitzbänke und der originelle Tisch auf einer alten AWO.
    „Da war manches Schmuckstück dabei, das wir für 100 Mark bekamen“, erinnert sich Gründungsmitglied Mario (52), heute Präsident des Clubs. 1982 gründeten Bubi, Ulli, Mario und Golem den „AWO Motorrad Club Limbach“.

    Auf ihren ersten Treffen knüpften sie enge Kontakte zu anderen AWO-Clubs aus Jessen, Gera, Dresden, Berlin und Rostock.

    So wuchs eine Subkultur, für die der sozialistische Staat keinen besonderen Nerv entwickelte. Die Biker waren dem Überwachungsstaat ein Dorn im Auge, die Stasi observierte sie sogar.

    Zur 30-Jahr-Party wurde ein alter 8-mm-Film gezeigt, der von der Stasi gedreht wurde und die Jungs von Charon im damaligen Alltag zeigt.

    Wenn am 1. Mai die Arbeiterklasse zum „Tag der Arbeit“ zwangsjubelte, unternahm Charon Ausfahrten. Und zu Pfingsten rollte die Truppe in die CSSR, wo erste Kontakte zu West-Bikern entstanden.

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    Charon als (Luft-)Band bei einem Bikertreffen in den 80er Jahren.

    Der AWO Motorrad Club Limbach nahm allmählich die Form eines Rockerclubs an, was nicht alle Member mitmachten. Der Club spaltete sich, und die meisten fuhren ab 1987 unter „CHARON MC Limbach/Sachsen“.

    Ihr Namensgeber war Charon, der Fährmann der Unterwelt in der griechischen Mythologie.

    Die Philosophie des MC beschreibt Präsi Mario so: „Motorrad fahren, Partys feiern, Leute kennen lernen, Kontakte pflegen und einfach Spaß haben – wir leben das heute genau so wie damals, das ist uns auch wichtig, denn manche Werte ändern sich eben nie.“

    Nach der Wende hatten sich die Member über einige Bundesländer zerstreut, der Club organisierte sich neu. Er fährt seit dem unter „Charon 1982 Germany“.

    Die Mitglieder im Alter zwischen 25 und 55 Jahren kommen aus Limbach, Chemnitz, Hof, Leipzig, der Sächsischen Schweiz und der „richtigen“ Schweiz in der Nähe von Basel.

    Das Clubhaus, ein ehemaliges Wohnhaus, steht im Zentrum Limbach-Oberfrohnas und wurde in mühevoller Arbeit aus eigenen Kräften hergerichtet.

    Eine Bindung an Motorradmarken besteht nicht, doch Chopper fahren sie alle. Harley, Intruder, Shadow oder Drag Star. Sogar zwei alte AWOs sind noch in Gebrauch.

    Viele tausend Kilometer werden jährlich abgeschrubbt, unter anderem nach Tschechien und Kroatien. Dort wird die Freundschaft zu „Full of Energy MC Czech“ und „Miners MC Croatia“ gepflegt.

    Und die Charon-Winterparty findet jedes Jahr in der zweiten Januarwoche statt.

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    Mario ist der Präsident der Charons. Früher fuhr er AWO, heute donnert er auf einer Harley durch die Gegend.
    Mario ist der Präsident der Charons. Früher fuhr er AWO, heute donnert er auf einer Harley durch die Gegend.
    DAS SIND SACHSENS ROCKER-CLUBS (AUSWAHL):

    Links: Gleich um die Ecke vom Charon-Clubhaus, ebenfalls in Limbach-Oberfrohna, ist der „Delirium Germanicum MC“ angesiedelt. Diese Jungs kommen aus den verschiedensten Bikergruppierungen und fahren schon lange Motorrad, seit 2001 als MC.

    Rechts: Das Logo der „Los Locos“ aus Görlitz. „Die Verrückten“ vom Görlitzer Los Locos MC, machen seit 1994 als unabhängiger Club von sich reden. Markenzeichen: Ihre Schottenröcke, in denen sie gern durch die Gegend fahren.

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    Links: „Lightning Vogtland“. Dieser MC fährt vorwiegend umgebaute Japan-Chopper. Sitz in Treuen/Vogtland. Im Jahr 2000 aus einer Gruppe Freebikern gegründet.

    Rechts: „Tanks MC“. Gegründet 1993 und der MC hat drei Chapter: Schwarzenberg, Annaberg und ein Northside Chapter. Auf MZ, EMW und AWO düste man oft gemeinsam nach Brünn und Most zu Motorradrennen. Berühmt-berüchtigt waren über Jahre die „Drecksau-Partys“ im rustikalen Clubhaus des Northside Chapters in Scharfenstein.

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    Links: „Blood Red Section MC“ Plauen ist ein Supportclub der Hells Angels. Seit 2010 ist er eigenständiger Bestandteil in der insgesamt sieben Charter umfassenden Blood Red Section-Familie. Hervorgegangen ist er aus den ehemaligen Chopper Friends MC Plauen.

    Rechts: Die „Dark Forces Döbeln“

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    Links: In Freiberg hat der „German Brothers MC“ sein Clubhaus und feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum.

    Rechts: Mit gleich drei Chaptern ist der „Road Eagle MC“ in Sachsen vertreten. Die Clubhäuser stehen in Glauchau, Arnsdorf (bei Dresden) und im nordsächsischen Lissa. Bekannt ist der Club vor allem durch seine jährlichen Unimoto-Rennen. Dabei durchpflügen Maschinen mit nur einem (Hinter-)Rad eine Wiesen-Rennstrecke (Foto unten)

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    BEI DEN HIGHWAY WOLVES GAB ES EINEN MORD

    In Döbeln residiert der örtliche Ableger des „Dark Forces MC“, der ab 1987 als „Highway Wolves“ fuhr und seit elf Jahren den neuen Namen trägt. Traurige Bekanntheit erlangten die „Wolves“, als 2000 einer ihrer Member durch einen Schuss eines Gremium-Mitgliedes zu Tode kam (hier mehr dazu). Der Club ist Organisator des jährlichen MC-Cup auf dem Erzgebirgsring, bei dem ausschließlich AWOs fahren.

    viaRocker-Serie – MOPO24.

  • AUFSTIEG UND FALL DES GREMIUM MC IN SACHSEN

    AUFSTIEG UND FALL DES GREMIUM MC IN SACHSEN


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    Nach dem Prozess um den Überfall auf die Highway Wolves posierten Gremium-Rocker vor dem Gericht.

    Die Rockerszene in Sachsen – sie ist bunt und vielfältig, aber auch verschlossen und voller Rätsel. In unserer neuen Serie wollen wir einen Einblick in eine faszinierende, teilweise auch verstörende Subkultur geben – unverstellt, ungeschönt und jenseits üblicher Klischees. Rockerclubs haben uns ihre Türen geöffnet, Polizisten ihre Akten, ein Philosoph seine Gedankenwelt.

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    IN DRESDEN WAREN SIE DIE CHEFS

    Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

    Dresden – Unter den „Big Four“ in Deutschland, den international verbreiteten Rockerclubs, ist der Gremium MC der einzige deutsche Club. Er wurde 1972 in Mannheim gegründet und hat heute weltweit rund 140 Chapter.

    Nach Sachsen kamen die Schwarz-Weißen mit der geballten Faust im Colour 1999. Der Dresdner Clan MC, der 1996 aus dem zwei Jahre zuvor gegründeten White Priest MC entstand, wurde da zum Gremium MC Dresden.

    Im Jahr 2010 kam das Chapter Chemnitz dazu, 2011 Plauen und die Nomads Eastside.

    In der Landeshauptstadt waren die Gremium-Rocker lange Zeit tonangebend in der Szene. Allerdings nicht immer mit feinen Methoden. So geht der bislang blutigste Konflikt in Sachsens Rockerszene auf das Konto des Dresdner Gremium-Chapters.

    Am 9. Februar 2000 überfielen die Mannen um Ex-Präsi Heiko R. (49) den damaligen Döbelner MC Highway Wolves. Bei dem Überfall wurde Wölfe-Präsident Thomas „Borsti“ D. (22) mit einer abgesägten Schrotflinte erschossen.

    Sechs weitere Döbelner Rocker wurden von den Dresdnern krankenhausreif geschlagen, das Inventar ihres Clubhauses zerstört.

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    Tragen ihren Präsidenten Thomas „Borsti“ D. (22, kl. Foto) zu Grabe: Mitglieder Highway Wolves MC Döbeln. Kurz danach fusionieren die Wölfe mit den Road Lions aus Leipzig.

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    Der damalige Gremium-Präsident Heiko R. (mit Zigarette) hinter Stacheldraht – er war der Todesschütze.

    Vor Gericht stellten die zwölf angeklagten Gremium-Mitglieder die Tat später als Rache für eine vorangegangene Schlägerei mit den Wölfen in Zwickau dar.

    Allerdings schien das wahre Motiv ein anderes zu sein: Die Highway Wolves standen damals kurz vor dem Übertritt zum Leipziger Road Lions MC, aus dem später der Hells Angels-Unterstützerclub Red Devils MC wurde. Ein Dorn im Auge der Schwarz-Weißen.

    Tatsächlich konnte der Überfall den Wechsel der Döbelner in das Lager der Rot-Weißen nicht verhindern. Kurz nach „Borstis“ Tod fusionierten die Clubs. Allerdings schloss sich das Döbelner Chapter drei Jahre später dem Dark Forces MC an, der bis heute zu den großen, unabhängigen Regionalclubs in Mitteldeutschland zählt.

    Nach einem späten Geständnis wurde Gremium-Präsi Heiko R. im Rahmen eines „Big Deal“ vom Landgericht Leipzig als Todesschütze zu fünf Jahren und fünf Monaten Knast verurteilt.

    Die anderen Angeklagten kamen mit Haftstrafen von 33 Monaten bis vier Jahren davon, mussten „Borstis“ Familie aber ein fünfstelliges Schmerzensgeld zahlen.

    In der Rockerszene war Gremium Sachsen damit „untendurch“. Denn bei dem Überfall hatten die Dresdner gleich gegen mehrere Ehren-Kodizes der Rocker verstoßen: So erfolgte der Angriff ohne vorherige Ansage, zudem maskiert und ohne Kutte. Auch galt die physische Vernichtung eines Gegners damals noch als Tabu.

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    Eines der letzten Fotos der sächsischen Gremium-Rocker vor dem Verbot ihres Clubs.

    Mit dem Aufkommen von Bandidos und Hells Angels in Sachsen verlor Gremium in der Szene an Bedeutung, zumal es mehrere Mitglieder zum „Farbenwechsel“ drängte.

    So wechselte auch Ex-Präsi Heiko R. die Seiten und heuerte bei den Dresdner Angels an. Größere Scharmützel unter den Clubs blieben zumindest in Sachsen aus.

    Dafür sorgten die Schwarz-Weißen in Brandenburg für Ärger, was 2013 zum Verbot aller vier sächsischen Gremium-Chapter sowie des Unterstützerclubs „Härte Plauen“ durch das Bundesinnenministerium führte.

    Hintergrund: Sächsische Gremium-Rocker hatten im Dezember 2011 vor einer Disco in Königs-Wusterhauen einen 16-Jährigen niedergestochen, weil sie ihn für einen Hells Angel hielten.

    Der völlig unbeteiligte Junge, der lebensgefährlich verletzt wurde, war das erste „zivile“ Opfer im Krieg der Rocker.

    viaRocker-Serie – MOPO24.

  • Putins Rocker planen Siegesfahrt durch Sachsen – MOPO24

    Putins Rocker planen Siegesfahrt durch Sachsen – MOPO24


    Rocker

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    Russlands Präsident Putin zeigt sich gern mit den Nachtwölfen.

    Von Julia Koschel

    Torgau/Moskau – Ist das jetzt eine Provokation oder wirklich nur eine harmlose Siegesfeier?

    Der russische Rockerclub „Nachtwölfe“ will den Sieg der russischen Truppen über Nazideutschland vor 70 Jahren auf eine ganz eigene Weise feiern. Die harten Jungs, die offiziell ganz eng mit Präsident Putin befreundet sind, planen eine Fahrt nach Berlin. Dabei kommen sie auch in Torgau vorbei.

    Am 25. April soll die Fahrt in Moskau starten und mit einer noch unbekannten Anzahl Teilnehmer durch Weißrussland, Polen, Tschechien, Slowakei und Österreich auch ins sächsische Torgau führen.

    Am 8. Mai – pünktlich zum Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht 1945 – endet der Aufzug in Berlin enden. Am 9. Mai wollen sie dann in einer Kolonne durch die deutsche Hauptstadt fahren und den Sieg der Russen groß feiern.

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    Clubpräsident Alexander Saldostanow alias Chirurg (Mitte) lässt der Widerstand kalt.

    Doch noch liegen verschiedene Steine im Weg der Nachtwölfe. Beispielsweise liegt der Berliner Polizei bis dato noch keine Anmeldung für eine Kolonnenfahrt vor.

    Laut einem Polizeisprecher sei diese aber Grundvoraussetzung. Ansonsten werden die Biker auf der Fahrt zum Treptower Park, wo sie Blumen am Sowjetischen Ehrenmal niederlegen wollen, gestoppt.

    In Polen stoßen die Rocker auf den wohl größten Widerstand. Hier wird in den sozialen Netzwerken lautstark nach einem Einreiseverbot verlangt.

    Vize-Außenminister Rafal Trzaskowski erklärte dem polnischen Nachrichtensender TVN24, es gäbe bisher kein Antrag für ein Visum. Die Entscheidung müsse aber der Grenzschutz treffen.

    Das reicht einigen Polen anscheinend nicht. Sie fordern bei Facebook eine Blockade des Motorradclubs. Eine entsprechende FB-Gruppe hat bereits tausende Unterstützer.

    Der Gründer und aktuelle Präsident der Nachtwölfe, Alexander Saldostanow alias Chirurg, der als enger Vertrauter von Präsident Putin gilt, hat dafür nur Spott übrig: „Man darf natürlich nicht vergessen, dass es Polen gab, die mit der Roten Armee bis nach Berlin gekämpft hatten. Aber es gab auch Polen, die Polizisten oder Aufseher in jüdischen Ghettos waren. Vielleicht gefällt ihren Nachkommen die Idee unserer Tour nicht!“

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    Die Biker wollen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen…

    Mit einer ähnlichen Kolonne wollen die Nachtwölfe auch durch Deutschland fahren. Noch ist die Zahl der Teilnehmer unbekannt.

    viaPutins Rocker planen Siegesfahrt durch Sachsen – MOPO24.

  • Bikersolidarität: Deutsche und Schweizer wollen Nachtwölfe-Tour fortführen | RT livestream

    Bikersolidarität: Deutsche und Schweizer wollen Nachtwölfe-Tour fortführen | RT livestream


    Bikersolidarität

    Da sich insbesondere Polen, Tschechien und Deutschland in Sachen Einreise und Visa querstellen, wollen rund 1.500 Biker aus Deutschland und der Schweiz als Zeichen der Solidarität die Tour des russischen Motorradclubs fortführen und eine Etappe übernehmen. Vor allem via Facebook läuft derzeit eine große Mobilisierungskampagne.

    Von Marco Maier

    Am Morgen des 7. Mai wollen rund 20 Biker des MC Nachtwölfe aus Russland am sächsisch-böhmischen Grenzübergang Breitenau-Schönwald (A17) nach Deutschland einreisen um dort dann über Torgau oder Dresden weiter nach Berlin zu fahren, wo dann am 9. Mai das Endziel der Tour sein soll. Angesichts der Probleme schon in Polen und der Ankündigungen Tschechiens und Deutschlands, den Bikern die Einreise zu verwehren, könnte es aber auch anders kommen.

    Aus diesem Grund rufen nun Teile der deutschen Bikerszene nun im Internet zur Solidarität auf und wollen gemeinsam mit Nachtwölfe-Supportern aus der Schweiz die letzte Etappe übernehmen. Darunter sind viele russischstämmige Biker, die inzwischen in Deutschland und der Schweiz eine neue Heimat fanden.

    Bezeichnend ist das Politikum, welches aus der „Siegesfahrt“ der Biker im Gedenken an den 70. Jahrestag des Sieges der Alliierten über Deutschland gemacht wird. Die Nachtwölfe gelten in den Westmedien als „nationalistisch“ und somit als böse, während sie gleichzeitig die radikalnationalistischen Bewegungen in der Ukraine und der Kiewer Politik aus politischer Raison verharmlosen oder gar leugnen.

    Es wird vergessen darauf hinzuweisen, dass die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg (dort als „Großer vaterländischer Krieg“ bezeichnet), wie auch die Deutschen, die Polen und die Juden einen extrem hohen Blutzoll zu zahlen hatten, was natürlich auch einen besonderen Umgang mit diesem Thema mit sich bringt. Immerhin gibt es kaum eine Familie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, die nicht einige Mitglieder verloren hat. Kulturelle Sensibilität ist in den westlichen Medien offenbar kein Thema.

    RT Ruptly hat übrigens einen Livestream eingerichtet, in der man die Nachtwölfe zumindest visuell begleiten kann:

    viaBikersolidarität: Deutsche und Schweizer wollen Nachtwölfe-Tour fortführen | Contra Magazin.

  • Mit Einreiseverbot für „Nachtwölfe“ kehrt Berlin zum kalten Krieg zurück

    Mit Einreiseverbot für „Nachtwölfe“ kehrt Berlin zum kalten Krieg zurück


    Einreiseverbot

    Die Regierungen in Warschau, Prag und Berlin haben aus der Tour des russischen Motorradklubs „Nachtwölfe“ zum Gedenken des 70. Jahrestages des Kriegsendes ein politisches Ereignis gemacht und den Bikern damit in die Hände gespielt, schreibt das Online-Magazin Telepolis.

    Am Samstag waren die Rocker aus Moskau losgefahren, obgleich die polnische und die tschechische Regierung bereits Einreiseverbote verhängt hatten.

    © SPUTNIK/ VITALIY BELOUSOV

    Polnische Biker blockieren Grenze: Protest gegen Einreiseverbot für „Nachtwölfe“

    Polen begründete seine Entscheidung damit, dass der Motorradklub keine ausreichenden Informationen über die geplante Reiseroute gegeben hätte.

    „Allerdings ist die Stimmung in Polen nicht eindeutig gegen die russischen Rocker gerichtet, polnische Rocker haben nichts dagegen und bieten Unterstützung an“, so das Magazin.

    Die deutsche Regierung wolle die russischen Biker auch nicht einreisen lassen. Unter dem Vorwand, dass die Fahrt die Sicherheit und Ordnung in Deutschland bedrohen kann, will Berlin die den Bikern bereits erteilten Visa annullieren.

    © AFP 2015/ SERGEI GAPON

    „Auf nach Berlin!” – Motorradtour der Nachtwölfe

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    Die Regierungen der Länder, welche die angekündigte Reise von Moskau nach Berlin als Provokation bezeichnet haben, haben unwillkürlich zugunsten der Biker gehandelt, heißt es weiter. „Die Provokation könnte eigentlich darin liegen, dass die Regierungen aus der angekündigten Reise der Rocker ein Politikum machen und diese verbieten.“ Jetzt könne man ihnen vorwerfen, dass sie die Meinungsfreiheit nicht zulassen.

    Die „gelenkte Demokratie“, die Russland oft vorgeworfen wird, kann nun für Europa gültig werden, wird in dem Artikel betont.  „Dass 20 russische Rocker die Sicherheit Deutschlands gefährden sollten, ist jedenfalls ein blödes Argument, das aber zeigt, wie sehr man in der deutschen Politik wieder im Kalten Krieg angekommen ist“, heißt es abschließend.

    viaMit Einreiseverbot für „Nachtwölfe“ kehrt Berlin zum kalten Krieg zurück – Medien / Sputnik Deutschland – Nachrichten, Meinung, Radio.

  • Polnische Biker blockieren Grenze: Protest gegen Einreiseverbot für „Nachtwölfe“

    Polnische Biker blockieren Grenze: Protest gegen Einreiseverbot für „Nachtwölfe“


    Nachtwölfe

    Rund 60 polnische Motorradfahrer haben am Montag den Grenzübergang Terespol zwischen Weißrussland und Polen mit ihren Motorrädern blockiert, und zwar aus Protest gegen die Entscheidung von Warschau, den Teilnehmern der Bikerfahrt von Moskau nach Berlin zur Erinnerung an den Sieg über Nazideutschland die Durchreise durch Polen zu verweigern.

    © REUTERS/ VASILY FEDOSENKO

    „Siegestour“ nach Berlin: „Nachtwölfe“ bestätigen Abweisung an Polens Grenze

    Das polnische Staatsfernsehen berichtete direkt vom Grenzübergang. Als Zeichen der Solidarität spielten die polnischen Motorradfahrer die Hymne ihres Landes über einen Verstärker ab und danach drückten sie gleichzeitig auf die Hupen.

    „Wenn die Grenzwache die russischen Motorradfahrer nicht nach Polen durchlässt, fahren wir selbst über Polen auf der Route, welche von den russischen Bikern festgelegt wurde, und werden in ihrem Namen Kerzen anzünden und Blumen niederlegen – wir tun alles in Übereinstimmung mit ihrem Plan“, hatte vorher der Leiter einer polnischen Bikergruppe, Wiktor Węgrzyn, geäußert.

    Polen
    Die ganze Gruppe der russischen Biker vom Klub „Nachtwölfe“ sei ins weißrussische Brest zurückgekehrt, nachdem Polen ihnen die Einreise verweigerte, wie der Pressesprecher des weißrussischen Grenzschutzes, Alexander Tischtschenko, RIA Novosti mitteilte.
    Die „Nachtwölfe“ wollten vom 25. April bis 9. Mai mit einer Motorradtour an den Sieg der Sowjetunion über Hitler-Deutschland vor 70 Jahren erinnern und der Kriegsopfer gedenken. Die Reise begann am Samstag in Moskau und soll durch Minsk, Brest, Wroclaw (Breslau), Brno (Brünn), Bratislava (Preßburg), Wien, München, Prag und Torgau führen und im Treptower Park in Berlin enden.

    viaPolnische Biker blockieren Grenze: Protest gegen Einreiseverbot für „Nachtwölfe“ / Sputnik Deutschland – Nachrichten, Meinung, Radio.

  • Russische Biker passieren Grenze zu EU – Auschwitz bereits besucht

    Russische Biker passieren Grenze zu EU – Auschwitz bereits besucht


    Nachtwölfe

    „Trotz des Umstandes, dass alle Grenzübergänge angewiesen sind, die ‚Nachtwölfe‘ nicht durchzulassen, haben die Unsrigen die Grenze jedoch passiert!

    Nun begaben sich die Burschen auf die geplante Route“, schrieb er im Blog-Netzwerk Livejournal.

    © SPUTNIK/ MAKSIM BLINOV

    Nach Einfuhrverbot für Biker: Moskau legt Protest bei polnischer Botschafterin ein

    „Das Ziel ist nun Bratislava. Dort sollen sie sich mit Bikern der Balkanhalbinsel treffen.“

    Er gab allerdings nicht an, wo genau die Grenze überquert wurde. Die genaue Zahl der Motorradfahrer, denen es gelungen ist, in die EU einzureisen, wollte er auch nicht nennen.

    Am Mittwoch hatte eine Gruppe russischer Motorradfahrer, darunter ein Mitglied des Bikerklubs „Die Nachtwölfe“, gemeinsam mit polnischen Bikern die Gedenkstätte in Auschwitz besucht. Nach der Kranzniederlegung im Lager Auschwitz-Birkenau fuhr die Gruppe weiter zum sowjetischen Soldatenfriedhof im polnischen Pszczyna (deutsch Pleß).

    © AFP 2015/ SERGEI GAPON

    Nachtwölfe: Polnische Panzerwagen sperren Soldatenfriedhof in Wroclaw ab

    Der „Nachtwolf“ Wladimir Wassiljew teilte mit, er sei aus Tschechien mit dem Flugzeug nach Polen gekommen und habe hier ein Motorrad gemietet. „Die Geschichte war für uns immer von großer Bedeutung“, sagte er. „Ich bin hierher gekommen, um unsere Kinder daran zu erinnern, was hier geschehen ist – damit keine Wiederholung stattfindet“.

    Am Mittwoch hatten mehrere russische Biker versucht, über die Kontrollstelle  Privalka-Raigards an der weißrussisch-litauischen Grenze in die EU zu gelangen, wurden aber vom Grenzschutz abgewiesen.

    viaRussische Biker passieren Grenze zu EU – Auschwitz bereits besucht / Sputnik Deutschland – Nachrichten, Meinung, Radio.

  • Leipzigerin Kerstin Tenschert-Fuge setzt sich in Gambia für Kinder ein

    Leipzigerin Kerstin Tenschert-Fuge setzt sich in Gambia für Kinder ein


    Kerstin Tenschert-Fuge

    „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“ Das wusste schon der Schriftsteller und Journalist Erich Kästner. Wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die sich selbstlos für andere Menschen, besonders für die Schwachen auf dieser Welt einsetzten, sähe es auf unserem Planeten noch düsterer aus als ohnehin schon. Zu den Menschen, die sich für andere Bedürftige einsetzen, gehört auch die Leipzigerin Kerstin Tenschert-Fuge. Sie ist Mitglied im Verein Socialis for The Gambia e.V., der sich dafür einsetzt, dass Kinder in Gambia eine Schule besuchen können, um ihnen eine Chance für die berufliche Zukunft zu sichern.

    Kommentar von mir: Kerstin, ich bin sehr stolz auf Dich und dein selbstloses soziales Engegement. Du bist nicht nur mir eine sehr liebe und teure Freundin Seite vielen Jahren, sondern kümmerst Dich liebevoll, über unsere mehrfach jährlichen menschlichen Aktivitäten vom Leipzig Chapter (Motorradclub) für schwerkranke und mittellose Kinder, sondern investierst auch noch darüberhinaus ganz privat Zeit, Kraft und Geld für notleidende Kinder auf dieser Welt. Das macht Mut und gibt Kraft für die Anstrengungen eines jeden von uns, die Welt jeden Tag ein klein wenig freundlicher zu gestalten.

    Hochachtung, Respekt und Anerkennung für Deine Leistungen. Danke Kerstin, Du bist ein wundervoller Herzmensch 😘 Dein Harley

    viaLeipziger Internet Zeitung: Leipzigerin setzt sich in Gambia für Kinder ein – L-IZ.de.

  • Baltimore – Die Lunte brennt am Pulverfass Amerika

    Baltimore – Die Lunte brennt am Pulverfass Amerika


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    von Markus Gärtner

    Brennende Gebäude, lodernde Polizeiautos, geplünderte Geschäfte, Pflastersteine auf Polizisten. In Baltimore herrscht nach der vergangenen Nacht Ausnahmezustand. Die Angst geht um, dass auch in anderen Städten der USA bald solche Unruhen ausbrechen. Die Furcht ist berechtigt. Und die Gefahr wird gezielt geschürt.

    Jetzt ist auch die Nationalgarde angerückt. Nach dem Begräbnis für den 25-jährigen schwarzen Amerikaner Freddie Gray, der am 12. April festgenommen worden war und im Gewahrsam der Polizei zu Tode kam − eskalierten Plünderungen, Proteste und Polizeieinsätze.

    Vielen Städten im sozial gespaltenen, rassistischen und von militarisierter Polizei geplagten Amerika drohen Straßenschlachten und Aufstände wie in Baltimore. Sie kommen keineswegs überraschend. Seit Jahren wird davor gewarnt.

    Das Verhalten der Polizei in Baltimore hat sogar einen schlimmen Verdacht geweckt. Im US-Fernsehen hagelte es gestern Abend heftige Kritik an der Vorgehensweise der lokalen Polizei, die sich am späten Nachmittag und frühen Abend zunächst auffallend im Hintergrund hielt.

    Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake erklärte in einer – laut Kritikern viel zu spät angesetzten – Pressekonferenz am Abend, es habe eine bewusste Entscheidung gegeben, »denen, die auf Zerstörung aus waren, Raum zu geben«. Das sei die beste Möglichkeit gewesen, um zu »de-eskalieren«.

    Doch diese Zurückhaltung bot Plünderern und organisierten Gruppen stundenlang die Chance, die zunächst friedlichen Proteste für ihre Straftaten zu nutzen. Das wiederum spielte der politischen Kaste und dem Sicherheitsapparat in die Hände.

    Dem Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, sowie der Bürgermeisterin und den Mainstream-Medien lieferten die Plünderungen den Vorwand, den sie wollten: Sie können für die Unruhen »Kriminelle« verantwortlich machen und – wie Larry Hogan – behaupten, die Gewalt sei nicht von Protestlern und Demonstranten ausgegangen, sondern von »Gangs und Dieben«.

    Mit der Kriminalisierung der Proteste lässt sich wunderbar davon ablenken, worum es in Baltimore wirklich geht: Es ist die übliche Ghetto-Bildung und soziale Spaltung, die überall in den Ballungsräumen Amerikas zu beobachten ist.

    Hinzu kommen weit verbreiteter Rassismus, Polizeigewalt und ein menschenverachtendes Wirtschaftsmodell, das Familien zerstört und die Gefängnisse des Landes fast ausschließlich mit Schwarzen füllt.

    Diese Zerrissenheit ist weniger sichtbar für Touristen, die sich meist nur die Sehenswürdigkeiten und Museen anschauen, oder – im Falle von Baltimore − an der Chesapeake Bay in einem der vielen leckeren Seafood-Restaurants essen gehen.

    Aber die Spaltung des Landes ist allgegenwärtig in den Statistiken und in Stadtteilen, in die sich nicht einmal Polizeistreifen vorwagen. Es gibt sie sogar in der Hauptstadt Washington, östlich der Parlaments-Meile »Capitol Hill«.

    In Baltimore sieht das so aus: Eine vergleichsweise besser situierte – überwiegend weiße – Innenstadt und eine schwarze, aber völlig verarmte, verwahrloste »Westside«, in der 16 000 Häuser leer stehen und 25 Prozent Arbeitslosigkeit herrschen.

    Während die Wirtschafts-Ikonen der Stadt – darunter die Football-Millionäre der Baltimore »Ravens« und die Baseball-Legenden der »Orioles« − Steuerprivilegien genießen und Geld nachgeworfen bekommen, damit sie die Stadt nicht verlassen, bleibt der schwarze Teil Baltimores im Würgegriff miserabler Billiglöhne, lausiger Infrastruktur und heruntergekommener Schulen gefangen.

    Das ist der Grund, warum der Soziologie-Professor und bekannte Radio-Moderator Michael Eric Dyson schon zu Beginn der Unruhen am Montag im TV-Sender MSNBC vorhersagte: »Viele LIVE-Berichte der Medien werden später ausgiebig Hooligans und Schlägertypen zeigen, aber das große Bild dahinter werden sie ausblenden.«

    Genauso ist es gekommen.

    Das vom sozialen und moralischen Verfall heimgesuchte Amerika will gar nicht wahrhaben, was seine eigentlichen Probleme sind. Sie werden in den Medien sorgsam ausgeblendet und schaukeln sich derweil weiter hoch.

    Dabei entsteht eine Dynamik, wie wir sie in Europa von der Staatsschuldenkrise kennen. Sie lässt sich eine Weile ausblenden, schmort aber weiter und bläht sich ständig auf – bis sie sich eines Tages explosionsartig entlädt.

    Die Eliten wissen das.

    Und sie bereiten sich darauf gezielt vor. In den USA mit großen Übungen von Heimatschutz-Ministerium und Nationalgarde, wo der Aufstand von Zivilisten – und dessen Niederschlagung – bereits eifrig geübt wird. Die aktuelle Großübung »Jade Helm« ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie die Eliten Amerikas den Krieg gegen das eigene Volk einstudieren.

    Aber trotz solcher Übungen steht der Staat am Ende ziemlich unvorbereitet da. Er rechnet mit Aufständen wie in Baltimore. Aber er hat keine Ahnung, wo und wie es am Ende losgehen wird, wenn das soziale Pulverfass explodiert.

    Die ersten Vorbeben waren jedenfalls klar zu erkennen, nicht nur in Baltimore. Wir haben sie auch in Ferguson im vergangenen Sommer gesehen, dazu bei großen Protesten in Metropolen wie New York, Chicago, Detroit und Los Angeles.

    Videobeotrag dazu hier:
    http://edition.cnn.com/videos/us/2015/04/27/baltimore-protests-unrest.cnn#

    viaBaltimore – Die Lunte brennt am Pulverfass Amerika – Kopp Online.