DIE STASI ÜBERWACHTE SACHSENS ERSTE ROCKER


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Die Rockerszene in Sachsen – sie ist bunt und vielfältig, aber auch verschlossen und voller Rätsel. In unserer neuen Serie wollen wir einen Einblick in eine faszinierende, teilweise auch verstörende Subkultur geben – unverstellt, ungeschönt und jenseits üblicher Klischees. Rockerclubs haben uns ihre Türen geöffnet, Polizisten ihre Akten, ein Philosoph seine Gedankenwelt.

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DDR-ROCKER LEHNTEN SIMSON UND MZ AB!

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Mit DDR-Schild am Bike – die Charon-Rocker und ihre AWO-Chopper vor 30 Jahren.

Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

Limbach-Oberfrohna – Zweiräder im Osten – das beschränkte sich Anfang der Achtziger auf Simson-Mopeds (S50) oder Gefährte aus Zschopau. MZ war Mainstream. Schon eine 350er Jawa hatte Exoten-Status.

1978 hatten Motorradfreaks aus Limbach-Oberfrohna es satt, mit Zweitaktgesäge durch die Zone zu knattern. Sie wollten was Besonderes: einen Chopper mit Sound.

So erlebte die viertaktende AWO Simson 250 aus den 50ern in der Ost-Bikerszene eine Renaissance. Schon nach einem Jahr hatte sich eine kleine Gemeinde auf ersten kleinen Treffen gefunden.

Die AWOs kauften sie älteren Herrschaften ab, die ihre Zweirad-Karriere längst beendet hatten, die Maschinen fanden sich in Scheunen und Garagen.

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Im Clubhaus der Charons ist alles selbstgebaut: Tresen, Sitzbänke und der originelle Tisch auf einer alten AWO.

„Da war manches Schmuckstück dabei, das wir für 100 Mark bekamen“, erinnert sich Gründungsmitglied Mario (52), heute Präsident des Clubs. 1982 gründeten Bubi, Ulli, Mario und Golem den „AWO Motorrad Club Limbach“.

Auf ihren ersten Treffen knüpften sie enge Kontakte zu anderen AWO-Clubs aus Jessen, Gera, Dresden, Berlin und Rostock.

So wuchs eine Subkultur, für die der sozialistische Staat keinen besonderen Nerv entwickelte. Die Biker waren dem Überwachungsstaat ein Dorn im Auge, die Stasi observierte sie sogar.

Zur 30-Jahr-Party wurde ein alter 8-mm-Film gezeigt, der von der Stasi gedreht wurde und die Jungs von Charon im damaligen Alltag zeigt.

Wenn am 1. Mai die Arbeiterklasse zum „Tag der Arbeit“ zwangsjubelte, unternahm Charon Ausfahrten. Und zu Pfingsten rollte die Truppe in die CSSR, wo erste Kontakte zu West-Bikern entstanden.

DIE STASI ÜBERWACHTE SACHSENS ERSTE ROCKER
Die Rockerszene in Sachsen – sie ist bunt und vielfältig, aber auch verschlossen und voller Rätsel. In unserer neuen Serie wollen wir einen Einblick in eine faszinierende, teilweise auch verstörende Subkultur geben – unverstellt, ungeschönt und jenseits üblicher Klischees. Rockerclubs haben uns ihre Türen geöffnet, Polizisten ihre Akten, ein Philosoph seine Gedankenwelt.

DDR-ROCKER LEHNTEN SIMSON UND MZ AB!

Mit DDR-Schild am Bike – die Charon-Rocker und ihre AWO-Chopper vor 30 Jahren.
Von Alexander Bischoff und Jens Fuge

Limbach-Oberfrohna – Zweiräder im Osten – das beschränkte sich Anfang der Achtziger auf Simson-Mopeds (S50) oder Gefährte aus Zschopau. MZ war Mainstream. Schon eine 350er Jawa hatte Exoten-Status.

1978 hatten Motorradfreaks aus Limbach-Oberfrohna es satt, mit Zweitaktgesäge durch die Zone zu knattern. Sie wollten was Besonderes: einen Chopper mit Sound.

So erlebte die viertaktende AWO Simson 250 aus den 50ern in der Ost-Bikerszene eine Renaissance. Schon nach einem Jahr hatte sich eine kleine Gemeinde auf ersten kleinen Treffen gefunden.

Die AWOs kauften sie älteren Herrschaften ab, die ihre Zweirad-Karriere längst beendet hatten, die Maschinen fanden sich in Scheunen und Garagen.

Im Clubhaus der Charons ist alles selbstgebaut: Tresen, Sitzbänke und der originelle Tisch auf einer alten AWO.
„Da war manches Schmuckstück dabei, das wir für 100 Mark bekamen“, erinnert sich Gründungsmitglied Mario (52), heute Präsident des Clubs. 1982 gründeten Bubi, Ulli, Mario und Golem den „AWO Motorrad Club Limbach“.

Auf ihren ersten Treffen knüpften sie enge Kontakte zu anderen AWO-Clubs aus Jessen, Gera, Dresden, Berlin und Rostock.

So wuchs eine Subkultur, für die der sozialistische Staat keinen besonderen Nerv entwickelte. Die Biker waren dem Überwachungsstaat ein Dorn im Auge, die Stasi observierte sie sogar.

Zur 30-Jahr-Party wurde ein alter 8-mm-Film gezeigt, der von der Stasi gedreht wurde und die Jungs von Charon im damaligen Alltag zeigt.

Wenn am 1. Mai die Arbeiterklasse zum „Tag der Arbeit“ zwangsjubelte, unternahm Charon Ausfahrten. Und zu Pfingsten rollte die Truppe in die CSSR, wo erste Kontakte zu West-Bikern entstanden.

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Charon als (Luft-)Band bei einem Bikertreffen in den 80er Jahren.

Der AWO Motorrad Club Limbach nahm allmählich die Form eines Rockerclubs an, was nicht alle Member mitmachten. Der Club spaltete sich, und die meisten fuhren ab 1987 unter „CHARON MC Limbach/Sachsen“.

Ihr Namensgeber war Charon, der Fährmann der Unterwelt in der griechischen Mythologie.

Die Philosophie des MC beschreibt Präsi Mario so: „Motorrad fahren, Partys feiern, Leute kennen lernen, Kontakte pflegen und einfach Spaß haben – wir leben das heute genau so wie damals, das ist uns auch wichtig, denn manche Werte ändern sich eben nie.“

Nach der Wende hatten sich die Member über einige Bundesländer zerstreut, der Club organisierte sich neu. Er fährt seit dem unter „Charon 1982 Germany“.

Die Mitglieder im Alter zwischen 25 und 55 Jahren kommen aus Limbach, Chemnitz, Hof, Leipzig, der Sächsischen Schweiz und der „richtigen“ Schweiz in der Nähe von Basel.

Das Clubhaus, ein ehemaliges Wohnhaus, steht im Zentrum Limbach-Oberfrohnas und wurde in mühevoller Arbeit aus eigenen Kräften hergerichtet.

Eine Bindung an Motorradmarken besteht nicht, doch Chopper fahren sie alle. Harley, Intruder, Shadow oder Drag Star. Sogar zwei alte AWOs sind noch in Gebrauch.

Viele tausend Kilometer werden jährlich abgeschrubbt, unter anderem nach Tschechien und Kroatien. Dort wird die Freundschaft zu „Full of Energy MC Czech“ und „Miners MC Croatia“ gepflegt.

Und die Charon-Winterparty findet jedes Jahr in der zweiten Januarwoche statt.

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Mario ist der Präsident der Charons. Früher fuhr er AWO, heute donnert er auf einer Harley durch die Gegend.
Mario ist der Präsident der Charons. Früher fuhr er AWO, heute donnert er auf einer Harley durch die Gegend.
DAS SIND SACHSENS ROCKER-CLUBS (AUSWAHL):

Links: Gleich um die Ecke vom Charon-Clubhaus, ebenfalls in Limbach-Oberfrohna, ist der „Delirium Germanicum MC“ angesiedelt. Diese Jungs kommen aus den verschiedensten Bikergruppierungen und fahren schon lange Motorrad, seit 2001 als MC.

Rechts: Das Logo der „Los Locos“ aus Görlitz. „Die Verrückten“ vom Görlitzer Los Locos MC, machen seit 1994 als unabhängiger Club von sich reden. Markenzeichen: Ihre Schottenröcke, in denen sie gern durch die Gegend fahren.

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Links: „Lightning Vogtland“. Dieser MC fährt vorwiegend umgebaute Japan-Chopper. Sitz in Treuen/Vogtland. Im Jahr 2000 aus einer Gruppe Freebikern gegründet.

Rechts: „Tanks MC“. Gegründet 1993 und der MC hat drei Chapter: Schwarzenberg, Annaberg und ein Northside Chapter. Auf MZ, EMW und AWO düste man oft gemeinsam nach Brünn und Most zu Motorradrennen. Berühmt-berüchtigt waren über Jahre die „Drecksau-Partys“ im rustikalen Clubhaus des Northside Chapters in Scharfenstein.

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Links: „Blood Red Section MC“ Plauen ist ein Supportclub der Hells Angels. Seit 2010 ist er eigenständiger Bestandteil in der insgesamt sieben Charter umfassenden Blood Red Section-Familie. Hervorgegangen ist er aus den ehemaligen Chopper Friends MC Plauen.

Rechts: Die „Dark Forces Döbeln“

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Links: In Freiberg hat der „German Brothers MC“ sein Clubhaus und feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum.

Rechts: Mit gleich drei Chaptern ist der „Road Eagle MC“ in Sachsen vertreten. Die Clubhäuser stehen in Glauchau, Arnsdorf (bei Dresden) und im nordsächsischen Lissa. Bekannt ist der Club vor allem durch seine jährlichen Unimoto-Rennen. Dabei durchpflügen Maschinen mit nur einem (Hinter-)Rad eine Wiesen-Rennstrecke (Foto unten)

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BEI DEN HIGHWAY WOLVES GAB ES EINEN MORD

In Döbeln residiert der örtliche Ableger des „Dark Forces MC“, der ab 1987 als „Highway Wolves“ fuhr und seit elf Jahren den neuen Namen trägt. Traurige Bekanntheit erlangten die „Wolves“, als 2000 einer ihrer Member durch einen Schuss eines Gremium-Mitgliedes zu Tode kam (hier mehr dazu). Der Club ist Organisator des jährlichen MC-Cup auf dem Erzgebirgsring, bei dem ausschließlich AWOs fahren.

viaRocker-Serie – MOPO24.

Über Harley D. Bieder

Ich (Rufname: Harley) stehe mit Feuer und Flamme für Harley Davidson, es ist mein Leben, ich könnte am allerliebsten den ganzen Tag – und das jeden Tag im Jahr – auf meiner Ultra durch die Weltgeschichte ballern, das ist so geil! Es fallen einfach alle Sorgen von mir ab, es macht frei, ist aufregend und entspannend zugleich. Der frische Wind um die Nase, die vielen Düfte, herrliche Eindrücke der Natur und unvergessliche Erlebnisse mit Freunden. Seit ich 16 bin, fahre ich Motorrad. Angefangen hat alles, wie zu DDR-Zeiten üblich, mit S50, dann S51 Enduro, (ständig war der Auspuff geklaut), 150er MZ, 250er ETZ (Mann war ich stolz), na und so zwischendurch auch mal einen SR2. Mit Kumpels ständig an den Karren rumgefummelt, egal ob Simson, MZ, AWO oder Jawa, es ging ja mit ein bissi Geschick alles selber zu machen. Und der Rest ging dann mit Beziehungen ;) Nach der Wende war mein erstes West-Mopped eine 14hunderter Intruder, von der ich mich aber recht bald wieder trennte, da ich endlich mein Traum-Mopped entdeckte: die Ultra von Harley! Schon als Stift hatte ich 2 Modelle in meinem Zimmer stehen, die mir meine Oma aus dem Westen mitgebracht hatte, vielleicht habe ich mich dort schon unterbewusst in dies dicke “Boot” verliebt? Naja so kam ich also zu meiner ersten Ultra Classic Electra Glide in schwarz, gesehen – Liebe auf den ersten Blick – gekauft! Und zwar noch in der alten Niederlassung beim alten Steuernagel. Ein cooler Typ – Gott hab ihn seelig. Seit dem fahre ich Ultra und werde es wohl immer tun, das ist mein Typ Bike, wie drauf geboren, das passt wie Arsch uffn Eimer. Meine 2. “Dicke” war das Sondermodell zum 100jährigen Jubiläum von Harley in schwarz silber. So und meine 3. Ultra ist die aktuelle “Dicke” natürlich in schwarz. Eine Harley kann bei mir halt jede Farbe haben, Hauptsache sie ist schwarz. grins Kilometerleistung im Durchschnitt so zwischen 10.000 und 12.000 km, man muss auch mal zwischendurch was anderes tun. Leider! Ich fahre sehr gern mit meiner Eike einfach nur mal so zu zweit, unserem Chapter und unseren Freunden durch die ganze Welt. So war ich schon in fremden Ländern wie USA, Mallorca, Luxemburg, Belgien, Österreich, Tschechien und in vielen Ecken unseres sehr schönen Deutschlandes. Es ist einfach herrlich und macht enorm viel Freude mit unserer duften Truppe im Chapter unterwegs zu sein. Wir haben jedes Jahr viele gemeinsame Ausfahrten zu spannenden Zielen, treffen befreundete Chapter, lernen immer wieder interessante Menschen, haben coole Partys und leben unser Ziel: Freude am Fahren. Freude bereitet mir auch neben meinen Aufgaben als Secretary, ganz besonders das Absichern und Blocken bei unseren Ausfahrten. Ich freue mich auf die kommenden Mopped-Saisons, die vielen gemeinsamen Erlebnisse mit unseren Freunden, befreundeten Chaptern und die spannende Abenteuer, das Neue, das Unentdeckte und Unbekannte. In diesem Sinne: Harleyluja!
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Eine Antwort zu DIE STASI ÜBERWACHTE SACHSENS ERSTE ROCKER

  1. Harley Dirk Bieder schreibt:

    Bei Interesse am Thema Hells Angels, gibt es hier weitere Infos und Publikationen von mir: http://dirkbieder.me/?s=Hells+Angels

    Gefällt mir

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