Griechenlands „Geldgeber“: Die verdeckten Geldnehmer


Die Medienberichte über Griechenland und seine Verhandlungen mit „internationalen Geldgebern“ werfen Fragen auf: Was sind eigentlich Geldgeber? Und wer sind in Griechenland und anderen Ländern die tatsächlichen Geldgeber und Geldnehmer?

von Andreas Popp

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Die geballte Überforderung der Eurokraten oder IWF-Repräsentanten wird uns täglich durch das hilflose Gestammel der journalistischen Berichterstattung über die sogenannten Staatsschulden Griechenlands deutlich gemacht. Manchmal kann man es kaum glauben, wenn man in Interviews und Zeitungsartikeln die Bewertungen zur aktuellen Lage liest.

Bildlich gesprochen ist der Euro-Währungsraum mit einem verunfallten Auto vergleichbar, an dem das Heck, die Front und das Dach nahezu zerstört sind, ein Kaufinteressent aber einen kleinen, durch Steinschlag verursachten Lackschaden moniert, den er an einem Rest vom Kotflügel entdeckt.

Nahezu alle Informationen lassen sowohl Sachverstand als auch eine klar definierte Kritik vermissen. Stattdessen erfährt der Medienkonsument eine unterschwellige bis offene Panikmache mit Horrorszenarien im Falle eines „Grexit“. Die griechische Abwehr des EU-Finanzterrors wird von den Medien, die das Wort „Lügenpresse“ gerne als Unwort sehen wollen, dreist als „Nein zu Europa“ umgedeutet, als ob die Griechen nicht mehr zum Kontinent gehören wollten. Zum Glück erfahren sie allerdings eine große Solidarisierung der Menschen des übrigen Europas, die ebenfalls unter diesem EU-Finanzterror leiden. Eine erfolgreiche und einfache griechische Staatsentschuldung durch ein neues Finanzsystem könnte eine Kettenreaktion auslösen. Es besteht die Chance einer Weltentschuldung, was zu einer globalen Befreiung der Leistungsträger führen würde.

Mit größten Anstrengungen durch Medien und Politik, wird derzeit versucht, dies noch so lange wie möglich hinauszuzögern. Eine der effektivsten Methoden der Manipulation, die dabei eingesetzt werden, ist die Verwendung von Wörtern in einem verfälschten Sinn. Der Begriff Populismus beispielsweise leitet sich von populus ab, dem lateinischen Begriff für das Volk. Ein Populist versucht, das zu tun, was das Volk will. Dieses Wort ist heute jedoch verpönt. Ebenso ist es z.B. auch mit dem Wort radikal, welches sich aus dem lateinischen „Radix“ ableitet und die Wurzel fokussiert, wenn wir einem Symptom z.B. auf den Grund gehen möchten. „Du radikaler Populist“ wird aufgrund der Wortbelegungen nicht als Lob erkannt. Dagegen werden Aussagen wie „Verbrauch ankurbeln“ positiv belegt und somit die sinnlose Verschwendung von wertvollen Ressourcen zu Lasten unserer nachfolgenden Generationen.

Die Menschen sind der Manipulation durch Medien und Politik regelrecht ausgeliefert. Diese infiltrieren Begriffe wie „Rettungspaket“, „Beitragsservice“ usw. professionell in unsere Köpfe. Wer einmal einen Sinn dafür entwickelt, findet solche Worte in praktisch jeder Publikation, die über den Medien-Politik-Apparat als veröffentlichte Meinung in Umlauf gebracht wird. Auf der anderen Seite versucht dieselbe Clique, Begriffe wie „Lügenpresse“ zu unterbinden. Die Begründungen dafür lassen sich jedoch sehr leicht widerlegen, wie Rico Albrecht in seiner Ausarbeitung www.wissensmanufaktur.net/luegenpresse-gegen-verschwoerungstheoretikernachgewiesen hat.

Unsere aktuelle medial durchs Dorf getriebene Sau ist die sogenannte drohende „Pleite Griechenlands“, als könne ein ganzes Land pleitegehen. Natürlich kann ein Staat pleitegehen, der sich in einem Land befindet, aber doch nicht das ganze Land. Dasselbe gilt für Deutschland und alle anderen Länder auf der Welt. Staaten können pleitegehen… aber nicht ganze Länder – also mitsamt aller Menschen und Unternehmen, Bergen und Tälern, Straßen und Brücken und so weiter. Das ist ein wesentlicher Unterschied, der in den veröffentlichten Darstellungen fast immer ignoriert wird.

Davon abgesehen könnte sich der griechische Staat anders als erwartet von seinen Schulden befreien, wie Karl Albrecht Schachtschneider in seiner Analyse der Rechtslage der Staatsschulden Griechenlands darlegt. Seinen Aufsatz finden Sie unter www.wissensmanufaktur.net/griechenland-staatsschulden.

Über solche Fakten hört man in den von der meinungsbildenden Branche veröffentlichten Meldungen natürlich nichts. Stattdessen konfrontiert man uns mit irreführenden Begriffen wie „internationale Geldgeber“ oder „Verhandlungen mit den Geldgebern“, ohne dass dabei Namen genannt werden. Wir warten auch vergeblich auf die korrekte Artikulierung wie „Verhandlungen mit den Geldherstellern, Zinswucherern oder Kredithaien“. Diese Begriffe würden die realen Verhältnisse wesentlich treffender beschreiben.

Was bedeutet eigentlich dieses Wort: „Geldgeber“? Und wer sind in Griechenland und anderen Ländern die tatsächlichen Geldgeber? Ein Geldgeber ist ganz einfach jemand, der Geld gibt. Der Begriff „Geben“ ist äußerst positiv belegt. Eine Gegenleistung erscheint damit nicht verbunden zu sein. Auch z.B. Kunden bezahlen mit Geld, was aber mit Gegenleistungen verbunden ist, weshalb Kunden eben Kunden heißen und nicht Geldgeber. Auch Banken sind keine Geldgeber, sondern bestenfalls Geldverleiher, meistens aber nur Kreditgeber. Bei der Kreditvergabe wird Geld erzeugt. Das ist auch etwas anderes als z.B. bei einem Geldverleiher, der immerhin vorhandenes Geld verleihen würde, anstatt es im Rahmen der Kreditvergabe (Giralgeldschöpfung) selbst herzustellen, wie es die Banken tun, die den griechischen Staat und andere in die Schuldenfalle treiben. (In den Veröffentlichungen der Wissensmanufaktur werden diese Zusammenhänge des Geldsystems grundsätzlich erklärt.) In jedem Fall ist es aber kein bloßes Geben, wenn etwas mit Gegenleistungen verbunden ist, sondern ein Kauf, ein Tausch, ein Kredit usw. Wenn man das Geld irgendwann zurückhaben möchte, ist es ein Verleihen – und kein Geben! Der Begriff Geldgeber klingt halt sehr großzügig. Das wirft die Frage auf, wer damit wen verherrlichen will und warum diese Irreführung flächendeckend vorzufinden ist.

Namen der sogenannten „Geldgeber“ kann man leider nicht ermitteln, denn auch in Griechenland ist es wie in Deutschland eines der am besten gehüteten Staatsgeheimnisse, von wem die Staaten sich Geld leihen müssen, weil sie es nicht selbst herstellen dürfen.

Propagandabereinigt müssen wir die angeblichen Geldgeber als Geldnehmer bezeichnen, weil sie das selbst hergestellte Geld zurückfordern und unterm Strich – in Form von Zinsen – ständig Geld nehmen. Wir können die internationalen Finanzinstitute und andere Geldnehmer auch als Leistungsnehmer bezeichnen, da sie die Zinsen, die sie für leistungslos produziertes Geld erhalten, in der Regel gegen echte Leistungen Anderer eintauschen. Unterm Strich sind also die Steuerzahler die Geldgeber, sprich Leistungsgeber, denn sie geben dem Staat mehr Geld als sie von ihm bekommen. Ein Großteil der Steuern fließt in Form von Zinsen an die kreditvergebenden, internationalen Geldhersteller und andere Geldnehmer bzw. Leistungsnehmer.

Eine ähnlich irreführende, vernebelnde, propagandaartige Vokabel ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Hilfsgelder“, mit dem man zinspflichtige Kredite gern als Hilfe darstellt, als würde ein humanitäres Paket geschnürt. Wenn dann, wie aktuell in Griechenland geschehen, das Volk per Referendum keine „Hilfsgelder“ annehmen will, ist es selbst schuld. Die Verwendung solcher uns täglich medial um die Ohren gehauener Begriffe ist unsachlich und nachweislich falsch.

Die Spur dieser Propagandabegriffe lässt sich quer durch den gesamten Medien-Politik-Apparat verfolgen, wo in vorauseilendem Gehorsam, die gewünschte Wortwahl wie gleichgeschaltet übernommen wird. Es ist eine „stille Gleichschaltung“.

Wenn das derzeitige, krisenbehaftete Finanzsystem in Griechenland scheitert, braucht man dort eine befreiende Alternative. Dafür gibt es den Plan B der Wissensmanufaktur jetzt auch auf Griechisch.

Ihr Andreas Popp, Juli 2015

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